Mara Winter, freie Lektorin und Autorin, war so nett sich ein paar Gedanken darüber zu machen, was uns zum Schreiben führen könnte oder sollte. Sie beleuchtet normalerweise grammatische und sprachliche Phänomene in ihrem Grammatikstübchen. Daher ist die Freude gross, dass sie Zeit für uns gefunden hat.
Auf ihre eigene spitze, humorvolle aber niemals verletzende Art, stellt sie die wichtigsten Fragen und hat auch die Antworten parat.

 

Warum schreibst du überhaupt?/Warum schreiben?

Tipps für angehende Autoren

Wer schreiben möchte, sollte sich zunächst ehrlich fragen, weshalb er das eigentlich will.

Um reich und berühmt zu werden?

Vergiss es.

Um Menschen zu belehren?

Vergiss es.

Um „Kunst“ zu erschaffen?

An dieser Stelle müsste man zuerst den Begriff „Kunst“ definieren, was zu einem sehr langen Abschnitt führen würde. Um dieses weite Feld abzukürzen, möchte ich nur zwei kurze Zitate anbringen: „Nicht alles, was sich reimt, ist ein Gedicht“ (Heinz Erhardt) und „Kunst kommt von Können“ (Johann Gottfried Herder).

Um sich selbst zu therapieren?

Dabei kann Schreiben sehr helfen, ja. Allerdings ist nicht gesagt, dass das Ergebnis dann auch für andere Menschen interessant ist.

Wer sich etwas von der Seele schreibt, tut sich etwas Gutes. In den seltensten Fällen ist das Ergebnis dann allerdings ein Buchmanuskript. (Eine Ausnahme können Krankheitserfahrungsberichte sein, aber auch hier kommt es darauf an, wie sie geschrieben sind.)

Um Menschen zu unterhalten?

Zum Beispiel.

Weil man nicht anders kann?

Schon besser.

Weil irgendetwas einen dazu treibt, sich hinzusetzen und zu schreiben?

So ähnlich.

Aber: Wer schreiben will, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er möglicherweise keinen Erfolg haben wird.

Gut, an dieser Stelle müsste man nun erstmal wieder „Erfolg“ definieren: Geld verdienen, bekannt werden, Rückmeldungen bekommen, Lesungen veranstalten, eine Veröffentlichung vorweisen können … Hier gibt es unterschiedliche Ansätze.

Sprechen wir also lieber vom kommerziellen Erfolg.

(Wer damit zufrieden ist, für sich selbst oder seine Familie zu schreiben, braucht nicht weiter zu lesen.)

Wer ernsthaft Autor werden will, sollte sich zuallererst eines aneignen: Handwerkszeug.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und es purzeln auch keine Bestseller aus den Laptops ungeübter Schriftsteller.

Wer Schriftsteller werden möchte, sollte zuerst eines tun: viel lesen. Und er sollte sich mit Literatur auseinandersetzen. Dazu ist kein Germanistikstudium nötig, aber man sollte einen groben Überblick über den Buchmarkt haben und sein eigenes Genre kennen.

Es ist äußerst förderlich, ein paar Bücher über das Schreiben zu lesen. (Wie man einen verdammt guten Roman schreibt von James N. Frey/ Kreativ Schreiben von Fritz Gesing/ Suspense oder Wie man einen Thriller schreibt von Patricia Highsmith)

Ich halte es nicht für unbedingt nötig, einen Kurs in Kreativem Schreiben oder einen Lehrgang bei der Schule des Schreibens zu belegen, aber es schadet auch nicht.

Es ist sehr hilfreich, sich mit anderen Autoren oder kompetenten Personen auszutauschen. Ein ganz wichtiger Punkt ist: Lernen, Kritik anzunehmen.

Nicht alles, was an einem Manuskript bemängelt wird, muss stimmen, aber man sollte zumindest in Betracht ziehen, dass es sein könnte.

Im Idealfall orientiert man sich an jemandem, der bereits einen Schritt weiter ist als man selbst.

Und nicht jeder Fehler fällt unter „Dichterische Freiheit“.

(Dichterische Freiheit ist ein bewusstes Verletzen der Grenzen. Dazu muss man die Grenzen jedoch erst einmal kennen.)

Vor einem möchte ich warnen: Vor der Arroganz des Unwissenden.

Vor langer Zeit habe ich einen selbsternannten Kameramann kennengelernt, der „eine neue Einstellung erfunden“ hat. Beim Mord ließ er die Kamera zeitgleich mit der Protagonistin umkippen. Das nannte er den „Woudini“-Effekt. (Er wusste weder, dass vor ihm schon andere Menschen auf diese Idee gekommen waren, noch, wie man „Houdini“ ausspricht.)

Unnötig zu erwähnen, dass besagter Herr den großen Durchbruch bisher nicht geschafft hat.
Manche Möchtegernautoren halten sich für gottgegebene Genies und „erfinden“ neue Erzählperspektiven.

(In einer meiner ersten Kurzgeschichten wechselte ich beispielsweise von Satz zu Satz zwischen der 1. und der 3. Person. Das war nicht genial, das war albern. Glücklicherweise hat mich jemand darauf hingewiesen, und glücklicherweise habe ich es eingesehen.)

Es ist nicht schlimm, etwas nicht zu wissen. Aber es ist schlimm, jeglichen Lernfortschritt abzulehnen.

Wer wirklich schreiben möchte, sollte es richtig lernen.

Und dann weitermachen und nicht den Mut verlieren.

Das Gute ist:

Wer sich mit der Sprache und dem Schreiben auseinandersetzt, wird kontinuierlich besser werden. Und damit steigen die Chancen auf Erfolg.

Weitere Tipps für Autoren im Grammatikstübchen unter:

tipps.syntax-lektorat.de

syn

 

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Miau!

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