Guten Morgen,

kennen Sie Timo Rowek? Nein? Das wird sich heute ändern, sofern Sie weiterlesen.
Bei Facebook bin ich über ihn und seine einerseits sehr humorvolle, andererseits häufig auch bedrückende Art zu schreiben gestolpert. Eigentlich wollte er schon immer Dada machen, manchmal macht er aber auch einfach nur. Für mich ganz klar eine Empfehlung für Menschen, die gern über den Tellerrand hinausschauen.

Am Ende gibt es eine kleine Leseprobe.

Ich bin vermutlich 1975 geboren worden. Mein genaues Geburtsdatum ist mir nicht bekannt, da meine Eltern mich sofort nach meiner Geburt in Singapur aussetzten, vermutlich weil ihre Koffer bereits das zulässige Gewicht für den Rückflug erreicht hatten und sie sich nicht in zusätzliche Unkosten stürzen wollten. Jedenfalls wurde ich dort in einem kleinen abgelegenen Küstendorf von Gebrauchtwarenhändlern aufgezogen und in der Seemannskunst ausgebildet.
Als während einer Segeltour unser Schiff von der britischen Marine geentert und ich mit meinen Onkeln verhaftet wurde, erfuhr ich, dass sie Piraten waren. Aufgrund meiner exzellenten Kenntnisse der Gewässer setzte mich Lieutenant Commander Beckett zunächst als Lotse ein, später dann als Midshipman.
Das beschwor natürlich den Ärger meiner neuen Kameraden herauf und nach einer haarsträubenden Meuterei wurde ich erneut ausgesetzt, doch diesmal in der Nähe der Südspitze von Afrika. Was mir, von meiner misslichen Lage einmal abgesehen, gar nicht gefiel, war das Klima.
So beschloss ich nach Norden zu gehen. Ich lernte einen Medizinmann der Himba kennen, der mich in die Künste des Überlebens auf diesem Kontinent einwies, kaufte ich mir ein Paar Sandalen und zog los, bis ich nach gut einem Dreiviertel-Jahr meine erste lange Nacht im Norden Norwegens erlebte. Ich lebte dort einige Jahre als Fischer und malte in meiner Freizeit in einem kleinen Gartenhäuschen, ganz nah am Meer. Dort lernte ich auch meine vierte Frau Tiril kennen, mit der ich zweieinhalb wundervolle Kinder zeugte: Calimba, Johannes und der halbe Schrumpel.
Es hätte alles so schön werden können, doch das Schicksal wollte es anders, als eines Tages ein Geheimdienst (den ich nicht nennen darf) unser Haus stürmte und alles kurz und klein schoss und ich, schwer verletzt, in einem Ruderboot als einziger Überlebender flüchten konnte. Ich mache mir auch heute noch schwere Vorwürfe: Mein liebstes Bild, das die Küste bei Sturm zeigt und das ich grade erst vollendet hatte, musste ich zurücklassen.
Ich beschloss noch in der kleinen Nussschale ab sofort nie wieder zu malen, sondern mich aufs Schreiben zu verlegen, da man dort seine Notizen und Werke viel leichter mit sich führen kann. So ruderte ich bis nach Husum, wo ich auch heute noch wohnhaft bin und grade ein kleines Gewerbe angemeldet habe. Ich biete, mit noch mäßigem Erfolg, selbstgestrickte Pantoffeln für Chinchillas an. Meinem Versprechen, was das Schreiben angeht, bin ich jedoch treu geblieben und wenn ich nicht grade zwischen meinen Wollknäulen hocke, sitze ich beim Lichte einer alten Waltranfunzel an meinen Steintafeln und kratze meine Geschichten, die von nachdenklich über dunkel zu schräg und augenzwinkernd changieren. Aktuell arbeite ich an einer käuflichen Form einiger meiner Ergüsse.

Leseprobe:

Ins Rudern kommen

 Wir saßen beide in einem Boot. In einem kleinen Moment der Schwäche, wohl auch aus Unachtsamkeit hatten wir uns, nicht grade freundlich, auseinandergesetzt. Danach
spazierten wir auf dem steinigen Weg durch den Schlosspark, als sich eine Flunkerei und eine Halbwahrheit von hinten zwischen uns drängten.
Wir waren ganz konsterniert, angesichts dieser Rüpelei, denn die Flunkerei und die Halbwahrheit beachteten uns kaum. Sie waren in ein Liebesspiel vertieft und rieben sich zärtlich aneinander. Schamhaft wandten wir uns ab. Der Anblick war nicht zu ertragen, wie die beiden immer wieder umeinander herumschawenzelten, sich kieksend gegenseitig neckten.
Ohne ein Wort verstanden wir uns und ignorierten die Beiden, hofften, sie würden irgendwann ermüden und uns wieder in Ruhe und Frieden lassen. Doch weit gefehlt! Unsere Ignoranz schien die beiden noch anzuspornen. Sie hatten gar nicht vor uns ziehen zu lassen.

weiter gehts hier: Ins Rudern kommen

 

Photo: Wencke Rowek

    One Comment

  1. Ich liebe diese Geschichte, auch wenn es eigentlich eine Biografie ist, natürlich laugh

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